Manchmal habe ich Angst, alles zu verlieren, was mich zur Zeit ausmacht. Alle Erinnerungen, alle Menschen, alle Talente, alle Vorlieben und Abneigungen. Wäre ich noch ich, wenn ich nicht mehr lesen würde? Woher würde ich meine Lebensfreude schöpfen, ließe ich meine Kamera links liegen und mit ihr die Möglichkeit, Schönes festzuhalten? Nähme man mir die Fähigkeit zu schreiben - und das ist wohl mein größter Albtraum - wie könnte ich mich dann ausdrücken? Ich habe solche Angst davor, dass der Wortfluss plötzlich versiegt - für immer. Das würde mich verrückt machen! Vielleicht ist das Schreiben das einzige, was ich wenigstens ein wenig beherrsche. Komplimente bekomme ich meist nur für meine Texte, hatte noch nie eine 2 in Deutsch, geschweige denn etwas schlechteres. Hätte ich also das Talent, Worte zu formen und ihnen Leben einzuhauchen, nicht mehr, was wäre ich dann noch?
Verlöre ich auf einmal durch einen tragischen Unfall all meine Erinnerungen und finge daraufhin ein neues Leben an, wäre ich dann noch einunddiesselbe Person? Ohne die glücklichen Momente meiner Kindheit, die Erkenntnisse, die ich in meiner Jugend gewonnen habe und alles andere, käme ich mir leblos vor. Ebenso ergeht es mir bei den Menschen, denen ich fast täglich begegne. Jetzt kommen sie mir vielleicht nicht wichtig vor oder sie fallen mir sogar nicht auf, aber was wird später sein? Werde ich mich zurückwünschen, um jemanden davon näher kennenzulernen?