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Heute glaube ich an Schicksal, heute glaube ich daran, dass alles, was geschieht, einen Grund hat. Ich fuhr mal wieder mit dem Fahrrad nach Hause, wollte aber einen anderen Weg nehmen, weil das Wetter so schön war und weil ich jemandem aus dem Weg gehen wollte. So kam es, dass ich wieder auf der Straße mit den schönen Häusern war… Doch dann bog ich spontan ab, und fuhr weiter, bis ich festellen musste, dass die Straße eine Sackgasse war. Ich wollte gerade wieder umdrehen, als mir auffiel, dass es da einen kleinen, gut verborgenen Fugängerweg gab. An dessen Ende befand sich ein Ort, der mir wohlbekannt war. Ein Spielplatz. Es war so merkwürdig diesen Ort nach so vielen Jahren wiederzusehen. In meiner Erinnerung sah er immer ein wenig größer aus. Die Reifenschaukel gibt es inzwischen nicht mehr, dabei war sie doch das beste gewesen. Das lustige ist aber, dass ich ja eigentlich gar nicht mehr wusste, wo dieser Spielplatz aus meiner Erinnerung war… Und da finde ich ihn einfach so. Weil ich mich anders entschieden habe, weil ich neugierig war, weil die Sonne schien. Es will mir nicht aus dem Kopf, dass das ein Zeichen sein könnte. Ja, ich weiß, das klingt furchtbar kitschig und sooo klischeehaft… Aber das ist, was ich fühle. Dieser Spielplatz hat mir damals ein paar tolle Tage beschert, als ich mit meinen Großeltern dorthin ging. Wie konnte ich vergessen, wo er war? Vermutlich hatte ich als Kind einfach andere Dinge im Kopf, als mir den Weg zu merken.

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Ich wollte eigentlich mit dem Fahrrad direkt nach Hause fahren, aber dann gefielen mir die bunten Blätter so gut, dass ich beschloss, einige zu sammeln. Ich fuhr Straßen lang, die ich sonst nie langfuhr und sah Häuser, die ich bisher nie richtig gesehen hatte. Ich fand es wunderschön und würde gerne in einem dieser Häuser wohnen. Nicht in diesen modernen weißen Kästen, die meine ich nicht, sondern in den Häusern mit Persönlichkeit. Diese Gärten, in denen alles mit dem Maßband angelegt worden zu sein scheint, beunruhigen mich nur. Und plötzlich stand ich vor dem Friedhof. Ich weiß nicht, wieso, aber ich schob mein Fahrrad durch das eiserne Tor und spazierte über die Friedhofswege. Dort gab es nicht einmal besonders schöne Blätter. Es verwirrt mich, dass ich dort entlang gegangen bin. Ich betrachtete die Gräber, rechnete aus, wie alt jeder geworden war. Zahlen über 70 beruhigten mich. Andere machten mir Angst. Ich überlegte, welche Gräber wohl gepflegt wurden und wer das wohl tat. Und ich fragte mich, wer von all diesen Toten ein guter Mensch gewesen war, was er oder sie für ein Leben geführt haben könnte. Irgendwann war mir ganz komisch und dann bin ich auf fremden Straßen nach Hause gefahren. Mit einer Tasse Tee neben mir, legte ich die gesammelten Blätter vorsichtig in dicke Bücher. Ich sang mit zu den Liedern von Mumford and Sons und freute mich, dass ich noch lebe. Dass ich vielleicht sogar ein interessantes Leben werde führen können, irgendwann. Und ich hoffe, dass es da jemanden gibt, der es nicht merkwürdig findet, dass ich buntes Laub sammle und auf Friedhöfen spaziere. Jemanden, dem ich das mit den Häusern erzählen kann und der das versteht.

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Morgen werde ich 16.

Das macht mir irgendwie Angst, denn ich bin überhaupt nicht so, wie ich mir eine 16jährige vorstelle. Ich komme mir vor wie ein unerfahrenes Kind, das nicht weiß, wie es sich verhalten soll. Und gleichzeitig fühle ich mich so alt, so erschöpft.

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Es passieren so viele schlimme Dinge in meiner Stadt, ich kann das kaum fassen. Vor ein paar Monaten noch dachte ich, hier wäre man sicher, hier hätte man seinen Frieden. Doch all diese furchtbaren Ereignisse der letzten Monate bedrücken mich. Vergewaltigungen, Morde, Selbstmorde. Ich kann das alles einfach nicht verstehen, kann nicht begreifen, wie Menschen so grausam sein können. Und so egoistisch. Wieso stürzt sich jemand vor einer Grundschule und einem Gymnasium in den Tod? Wieso tagsüber, wo Kinder das mitansehen müssen? Egal, welche Argumente man da vorbringt, da wird es für mich nie eine Rechtfertigung geben.